„Diese Chance sollte man wertschätzen“

Matthias Lengen studierte in Emden ohne Abitur

Emden – „Ich wusste einfach, dass ich in meinem Leben noch etwas anderes machen möchte“, sagt Matthias Lengen, wenn er auf seine frühere Tätigkeit zurückblickt. Sein Wissensdurst und die Suche nach einer neuen Perspektive führten den gelernten Kfz-Mechatroniker vor ein paar Jahren von seiner Arbeit in einer Autowerkstatt in die Hochschule Emden/Leer.

Und er hat Recht behalten: Im Oktober hat er den Bachelor-Studiengang Medientechnik erfolgreich abgeschlossen und ist inzwischen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in seinem ehemaligen Fachbereich beschäftigt.

Lengen war aufgrund seiner dreijährigen Ausbildung und der anschließenden Tätigkeit über die Malenka GmbH als Netzwerktechniker bei der Meyer Werft für ein Studium an der Hochschule qualifiziert. „Wer drei Jahre nach der Ausbildung in seinem Ausbildungsberuf gearbeitet hat, besitzt eine fachgebundene Hochschulreife und kann dann studieren“, so Ute Janßen, Leiterin der Zentralen Studienberatung an der Hochschule Emden/Leer.  Dies sei eine besondere Möglichkeit, sich ohne Abitur oder Fachhochschulreife beruflich weiter zu qualifizieren.

Dies kann Matthias Lengen nur bestätigen. „Man sollte diese Chance nutzen und auch wertschätzen“, sagt der 29-Jährige. Zugleich solle jedem klar sein, dass mit dem Umstieg vom Arbeitsleben ins Studium auch vorübergehende Einschränkungen verbunden sind. Für Lengen bedeutete dies unter anderem, sich erst einmal von seiner großen Wohnung zu verabschieden und für die Zeit des Studiums eine günstigere Alternative zu suchen. Auch die Selbstorganisation dürfe nicht unterschätzt werden.

Doch Lengen war hochmotiviert. Sein erstes Bewerbungsgespräch sei „prägend“ gewesen, wie er sagt. Man habe ihm bestätigt, dass er bereits über ein sehr gutes Fachwissen verfüge, zugleich aber der wissenschaftliche Hintergrund fehle. „Da wusste ich: Hier bin ich richtig“, erinnert sich Lengen. „Herr Lengen ist mit der richtigen Haltung an sein Studium herangegangen, hat gezielt an seinen Schwächen gearbeitet und ist bis heute ambitioniert bei der Sache“, so Prof. Dr. Johann-Markus Batke, der Lengen im Studium betreut hat.

Am Fachbereich Technik ist der 29-Jährige heute  in der technischen Verwaltung und mit der Begleitung von Praktika beschäftigt. Nachdem er bereits seine Bachelorarbeit zur Optimierung von Laborräumen hinsichtlich der Wiedergabe von 3D-Audio und 360 Grad-Video verfasst hat, ist die Akustik auch heute sein Themengebiet. Zu seinem ersten größeren Projekt gehörten die audiotechnische Betreuung der Diplomierungsfeier des Fachbereichs und die Liveübertragung der Filmfest-Eröffnungsmoderationen zwischen Emden und Norderney mit Studierenden. „Für mich ist es toll, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben“, sagt Lengen.

Die Hochschule Emden/Leer beteiligt sich an dem von Bund und Ländern initiierten Programm „Offene Hochschule“. Damit wird die Öffnung der Hochschule für neue Zielgruppen angestrebt, um dem wachsenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Mit diesem Vorhaben soll insbesondere die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung erhöht werden.

Zurück